Marina
"Kurs beibehalten. Passen sie die Flugrichtung an und übergeben sie dann dem Autopiloten.", befahl Candric.
"Ja, Sir.", bekam er als knappe Antwort von seinem Piloten. Der legte den Frachter nun in eine leichte Schräglage, und drückte einige Knöpfe über seinem Kopf. Candric klopfte erleichtert auf die Lehnen seines Offizierstuhls, erhob sich und verließ die Brücke. Mit einem lauten Dröhnen gingen die Triebwerke der Marina auf vollen Schub - mit Kurs in Richtung Erde. An Bord war die Stimmung daher nun sehr gelassen, doch Candric war alles andere als erfreut. Er vermisste seinen Heimatplaneten nicht wirklich. Die politische Führung auf der Erde war katastrophal, allein in diesem Moment tobten drei Kriege – gegen die Rationalisten, gegen die Mondföderation und irgendwelche Rebellen. Worum es in diesen Konflikten ging wusste er nicht wirklich. Die Rationalisten waren irgendwelche dahergelaufenen Philosophen, die das System abschaffen wollen, die Mondföderation möchte Unabhängigkeit von der Erde, und die Rebellen kämpften sowieso gegen alles, was sie nicht mochten. Es gab nur eine gute Sache an interplanetaren Kriegen – die Notwenigkeit von neutralen Frachtoffizieren, wie Candric einer war. Er arbeitete schon seit jeher für alles und jeden. Es war ihm egal, mit welcher Motivation er seine logistischen Aufträge erteilt bekam – solange seine Besatzung nicht in Gefahr geriet und er ungestört fliegen konnte, war der Auftrag schon so gut wie angenommen. Viele Aussenstehende verurteilten ihn dafür, weil er so angeblich maßgebend diese Kriege vorantrieb. Seine Besatzung jedoch hatte hohes Ansehen vor ihrem Captain, er war konsequent, vorausberechnend und das, was an erster Stelle für ihn stand, war das Wohl der Crew.
Nach einer kurzen Nachdenkpause beschloss Candric, einmal in den Frachtraum zu sehen. Der Auftrag, den er diesmal hatte, war mehr als ungewöhnlich. Und nach mehreren Jahren im Geschäft der Frachtflieger konnte es schon merkwürdig sein, mal aus der Routine abzukommen. Sie hatten einen großen Frachtcontainer geladen, der von einer unabhängigen, nicht-planetaren Raumstation verladen wurde. Nicht-planetare Raumstationen waren keine großen Anlagen, wie man sie vom Mars oder Jupiter kannte, sondern simple, kleine Stationen, die irgendwo im Weltraum eine x-beliebige Position bekleideten. Meist waren das irgendwelche Forschungsstationen, Militärstützpunkte und einige wohlhabende Leute besaßen sogar ihren Wohnsitz in Form einer eigenen, kleinen Raumstation. Diesen Container bekamen sie von einem Forschungsslabor, irgendwo im Raum zwischen Jupiter und Saturn. Mit dieser Angabe begann bereits die Kuriosität. Normalerweise wusste Candric genau, welche Fracht er von wo wohin transportieren sollte – jedoch wurde ihnen ausdrücklich befohlen, die Koordinaten der Station zu löschen. Was auch nicht normal war, ist, dass der Container mit einem Verschlüsselungsmechanismus versehen war, und es wurde ihnen auch nicht gesagt, was er beinhaltete. Einer der Forscher, die ihm den Auftrag angeboten hatten, redete davon, dass "der Krieg sich durch diese Ausrüstung enorm wenden wird". Welchen der Kriege er meinte, wusste er nicht – und es war ihm auch egal. Er unterschrieb den Vertrag für den Transport, ließ sich bezahlen und sollte die Ware auf die Erde kutschieren. Das war jedoch genauso kurios – er wurde bisher nie im Voraus bezahlt. Wer garantierte dem Empfänger, dass Candric die Ware nicht irgendwo im All rauswerfen würde, und sich mit dem Geld aus dem Staub machte? Doch das bedeutete im Gesamtbild, dass der Auftrag enorm wichtig zu sein schien.
Durch die Korridore gewandert und am Frachtraum angekommen, grüßte die unbewaffnete Wache auf dem Klappstuhl mit einem scherzhaften Salut. Candric hatte einen Wachposten aufgestellt – einfach, weil es ihm nicht ganz sicher erschien, heiße Ware ohne Schutz zu transportieren. Obwohl der Gedanke eigentlich sinnlos war, da seine Männer mehr als loyal ihm gegenüber waren. Doch es gehörte zu seiner guten Pflicht als Captain, auch auf's Äußerste vorbereitet zu sein.
Innen klaffte die Leere des Raumes, der normalerweise während eines Flugs bis zum Rand gefüllt war. Nur ein einiziger Container stand in der Mitte des Lagers, den Candric sich genauer ansah, als die metallische Tür hinter ihm zuschlug. Er klopfte mit seiner Faust sachte an der Aussenhülle, und von innen bekam er nur ein sehr schwaches Echo, was darauf deutete, dass er wohl sehr gefüllt war. Am liebsten hätte er einen seiner Ingenieure damit beauftragt, die blöde Konsole an der Vorderseite zu knacken um den Inhalt in Augenschein nehmen zu dürfen. Doch er wollte den Vertrag nicht brechen, denn das Geld, was ihm für den Auftrag geboten wurde, war mehr als nur ein übliches Gehalt. Mit diesem Geldhaufen konnte er seiner Crew tatsächlich gestatten, mehr als einen Monat auf der Erde Urlaub zu machen. Das wussten die Männer noch nicht, er wollte es ihnen kurz vor dem geplanten Abflug sagen – um ihre frohen Gesichter zu sehen. An seinem Funkgerät meldete sich plötzlich eine weibliche Stimme: "Captain Qruotes, es kam soeben eine Nachricht für sein rein."
"Danke, Synthia", erwiderte Candric, "ich bin gleich auf der Brücke."
Die in einen schwarzen Schleier verhüllte Frau glitzerte mit ihren Augen ihren Gesprächspartner in dem Videogespräch an. Der in eine Militäruniform gekleidete Zuhörer wanderte auf der leeren Brücke auf und ab.
"Ich erwarte eine Entscheidung", raunte die mysteriöse Frau, "und zwar jetzt."
Der General blieb stehen, und nahm einen Schluck des Getränks, dass er in einem Glas mit sich herumtrug. Nachdem er die Flüssigkeit heruntergeschluckt hatte, sah er direkt in die Augen seiner Gesprächspartnerin und betonte: "Gut. Hier ist sie – ich werde den Auftrag nicht ausführen. Ich greife keine Zivilisten an. Das ist unter meinem Niveau. Ich bin ein professionell ausgebildeter Soldat, ich mache sowas nicht."
Stille prägte den Raum. Die in schwarz gekleidete Frau schien nicht gerade erfreut zu sein, dies zu hören.
"Nun", bemerkte sie, "dann werden wir das selbst übernehmen. Doch das werden wir ihnen nicht vergessen, General Trebb. Ich erinnere sie nocheinmal daran – sie haben sich an uns gewandt. Wir halfen ihnen, ihre Pläne zu verwirklichen. Und nun stellen sie sich quer, obwohl sie in unserer Schuld stehen. Sie hören von uns."
Mit einem Störbild endete die Übertragung, und das Hologramm fuhr herunter und verschwand. Trebb war beunruhigt. Er sah aus dem Fenster der Brücke. Die Sterne erstreckten sich, bewegten sich jedoch keinen Meter. Sein Schiff stand still, hatte einen unsichtbaren Anker in die Leere des Weltalls geworfen. Er nahm noch einen letzten Schluck von seinem Getränk, zog seine schicke Uniform aus, legte sie sorgfältig über seinen Sessel und rückte den Kragen seines schlichten Hemdes zurecht. Als er das Glas abgestellt hatte, näherten sich Schritte. Plötzlich drückte ihm jemand einen Pistolenlauf in den Rücken. Eine bekannte Stimme, die seines ersten Offiziers, verkündete: "Keine Bewegung. Mitkommen."
"Abe? Warum tust du das?", platzte es aus Gebb heraus.
"Das hat seine Gründe, Trevor.", meinte dieser, bevor er einen heftigen Schlag in seinen Bauch bekam. Gebb drehte sich blitzschnell um, und schlug seinem Angreifer die Pistole aus der Hand. Der rannte auf ihn zu, und holte zu einem Schlag aus. Ohne weitere Mühen fing Gebb die Faust ab, drehte den Arm seines Widersachers um und versetzte ihn mit einem kräftigen Nackenschlag in Ohnmacht.
"Scheiße.", bemerkte Trevor nur, als er seinen niedergeschlagegen Kameraden dort liegen sah. Jetzt musste er seinen Plan in die Tat umsetzen. Doch vermutlich war keiner der Crew mehr auf seiner Seite. Das meinte die schwarze Lady also mit "Sie hören von uns". Auf Befehlsverweigerung folgte die Todesstrafe, so einfach schien sie es sich zu machen. Doch das Trevor ein voll ausgebildeter Soldat war, hatte sie wohl verdrängt. Es gab unter den vielen Fliegern im All nicht einmal annähernd so viele Soldaten wie auf der Erde, da diese alle für die Kriege gebraucht wurden, die die auf der Erde sitzende Regierung führte. Nur wenige Soldaten entschieden sich dafür, im Weltraum ihren Dienst zu verrichten. General Gebb jedoch gehörte dazu.
Kalt schnappte er sich die Pistole, die sein Assistent noch eben auf ihn gerichtet hatte, und machte sie per Knopfdruck mit einem elektrischen Surren scharf. Er nahm sie professionell in den Anschlag, und lief vorsichtig auf den Ausgang der Brücke zu. Eine kurze Lauschpause. Hinter der Tür jedoch schien sich nichts zu rühren. Mit der einen Hand richtete er die Waffe weiterhin auf den Ausgang, zückte mit der anderen seine Zugangskarte. Als er mit vorsichtigen Schritten endlich vor dem Eingabeschlitz für die Karten stand, zog er sie hindurch. Mit dem gewohnten Zischen öffnete sich die Tür, und der leere Korridor zeigte sich. Vorsichtig, mit der Pistole im Anschlag, lief er weiter den Gang entlang. Als er jedoch um eine Ecke ging, schritt ihm unerwartet einer seiner Männer entgegen, der jedoch ohne Zögern auf den General anlegte. Mit einem gezielten Schuss durchbohrte das Energiegeschoss aus Trevors Pistole den Helm, den sein gegenüber trug, der nun leblos zu Boden sank. Da den Schuss vermutlich alle im nahen Bereich gehört hatten, nahm Trevor die Pistole hoch, und machte sich nun im Laufschritt auf den Weg in den Hangar – zu seinem Schiff.
Synthia versuchte Candric klar zu machen, dem Mann nicht zu antworten. Sie traute den Militärs nicht. Candric öffnete jedoch das Komminterface, und eine in Wellen angezeigte Audiobotschaft spielte sich ab.
"Hier spricht General Trevor Gebb. Ich muss sie warnen – ihr Schiff könnte jeden Moment angegriffen werden. Ich kann ihnen nicht sagen, mit welcher Art von Angriff sie rechnen müssen, ihr Schiff jedoch wird zerstört werden, wenn sie nicht umgehend ihren Kurs verlassen. Hallo? General Gebb für die Besatzung der Marina, hört mich jemand? Hall.." Ein lautes Krachen unterbrach den Mann, der die Nachricht abgesetzt hatte, nach einigen Fluggeräuschen meldete er sich jedoch wieder.
"Ich muss weg. Die sind mir auf den Versen. Ich bin auf der Station 2-2 Jupiter. Ihr Captain soll mich dort treffen. Gebb Ende."
Die Audiowelle verschwand vom Display, und Synthia sah den Captain aus dem Augenwinkel besorgt an. Zu ihrem erleichtern jedoch ordnete er an: "Wir bleiben auf Kurs. Aber speichere die Nachricht für mich ab. Sie erweist sich vielleicht noch als nützlich."
"Wir sollten die Space Division benachrichtigen.", warf Verk, Candrics Stellvertreter, ein. Zustimmend zeigte der Captain mit dem Zeigefinger auf ihn.
"Gute Idee. Tun sie das."
Ohne ein weiteres Wort setzte Verk sich an seinen Platz und begann, einen Notruf abzusetzen. Seine Idee war wirklich gut. Die Space Division war eine Art Weltraumpolizei, unabhängig von allen Regierungen. Sie wurde ins Leben gerufen, um die Weltraumkriminalität einzudämmen. Das Projekt lief erst seit einigen Jahren, somit konnte die Division noch keine wirklich großen Erfolge verzeichnen. Aber sie schienen ihre Arbeit gut zu machen, zumindest hörte man keine negativen Sachen.
Candric nahm auf seinem Sessel auf der Brücke platz, und koordinierte seine Piloten neu.
"Ab jetzt gilt höchste Vorsicht", befahl er, "wer weiß, was auf uns zu kommt. Dieser General ist vielleicht nur irgendein Spinner, aber lieber passen wir einmal zu viel auf, als garnicht."
Mit diesen Worten verlangsamte der Pilot den Frachter, und wartete, an die Routine gewöhnt, die weiteren Befehle vom Captain ab.
"Schilde aktivieren.", ordnete dieser kurz darauf an.
Mit einem kräftigen Brummen begann der Schildgenerator seine Arbeit zu verrichten.
"Kurs ist?", fuhr der Captain fort.
"Ausrichtung exakt 100."
"Geschwindigkeit ist?"
"Antrieb zu 30% ausgelastet."
Mit einem zufriedenen Nicken lehnte Candric sich zurück, und Verk meldete sich zu Wort: "Notruf abgesetzt. Ein Schiff der Division ist in der Nähe, der Captain des Patroullienschiffs verlangt nach ihnen."
Candric wedelte wortlos mit der Hand, und vor ihm erschien ein großer Schirm, auf dem ein in Uniform gekleideter Mann zu sehen war.
"Mit wem habe ich das Vergnügen?", begrüßte Candric den Mann.
"Captain Ged Miller", antwortete sein Gegenüber, "und sie sind...?"
"Candric Qroutes. Besser sie nennen mich Candric, bei meinem Nachnamen verhaspeln sich die meisten."
Mit einem freundlichen Nicken sprach der Space Division Offizier weiter.
"In Ordnung, Mr. Candric, ihr stellvertretender Offizier hat uns die Audiodatei vorgespielt, und wir haben den Ursprungsort zurückverfolgt. Es kam von einem kleinen Abfangjäger der Star-Klasse. Ein altes Modell, jedoch eigentlich nur für militärische Zwecke verwendet. Vermutlich ist der General ein abtrünniger der Armee von der Erde..."
Bei Synthia, die alles mithörte, glühte eine Lampe über dem Kopf auf. Jäger der Star-Klasse wurden zwar früher von der Erde benutzt, doch heute...
"Sir?", warf sie ein und trat hervor. Candric sagte nichts, denn er wusste, dass Synthia stets konstruktive Beiträge hervorbrachte, und ließ sie sprechen. "Es tut mir Leid, dass ich sie unterbreche, doch was sie sagen, ist nicht ganz korrekt. Die Star-Jäger werden auch heute noch eingesetzt – und zwar von der Mondföderation. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass er der föderalen Armee angehört, oder zumindest angehört hatte."
Nach einem nachdenklichen Blick nickte der Captain am Ende der Leitung, und antwortete: "Was sie sagen, klingt durchaus plausibel. Aber trotzdem, gehen wir davon aus, er war von der Mondföderation – warum sollte er sie vor einem Angriff warnen? Stehen sie in irgendeiner Verbindung zu der Mo.."
Einige Störgeräusche rauschten durch den Kanal, und das Bild wurde von Fäden durchzogen. Schließlich verschwand der Space Division Offizier vom Display. Ratlosigkeit machte sich breit. Das Gespräch war unerwartet abgebrochen.
Plötzlich bekam die Marina einen starken Ruck. Der Frachter neigte sich kurz, stabiliserte sich dann jedoch wieder.
"Raketenbeschuss!", schrie Synthia, und alle auf der Brücke warfen sich zu Boden. Mit einem weiteren lauten Knall begann Metall zu bersten, und die Brücke fiel in sich zusammen.
"Sie verstehen das nicht", versuchte General Gebb sich weiterhin zu äussern, "ich bin hier nicht ohne Erlaubnis gelandet. Ich wurde beschossen! Verfolgt! Kapieren sie das nicht?"
Der Dockverwalter jedoch fauchte ihn unaufhörlich weiter an, und beschwerte sich darüber, dass sein Jäger den Landeplatz für die Frachter und andere Flüge blockierte. Genervt zückte Trevor einen Schein hervor, mit einer Aufschrift von 5000. Er drückte es dem Verwalter in die Hand, der plötzlich seelenruhig wurde. Als er sich kommentarlos entfernte, war Gebb klar, dass das Dock wohl nun auf magische Weise doch sein Landeplatz geworden war. Er streckte seine Arme aus, zog eine der großen Leitern auf Rollen heran, die er an seinen Jäger heranschob, und schnappte sich einen Werkzeugkasten, die in jedem Hangar herumstanden. Er kletterte die Leiter herauf, und analysierte die großen Beulen, die durch den unaufhörlichen Beschuss während der Verfolgungsjagd auf ihn gefeuert wurden.
Er konnte sein Glück kaum fassen. Tatsächlich war er einer ganzen Gruppe von Jägern entkommen, ohne auch nur einen kritischen Treffer abzubekommen. Als er sich jedoch darüber freute, wie gut er davon gekommen war, glitten seine Gedanken zur Marina. Ob die Crew seine Warnung erhalten hatte? Ob sie ihm geglaubt hatten? Er hoffte es. Er hoffte es, dass sie sich retten konnten und auf dem schnellsten Weg hierher waren. Dann konnte er dem Captain des Frachters alles erklären. Wozu er ihn warnte, was genau er vor hatte, und vor allem – was die Marina transportierte, was zerstört werden sollte.
In Candrics Ohren krachte es immernoch unaufhörlich. Wie lange war er weggetreten? Eine Minute? Eine Stunde? War der Angriff vorüber? Mit höllischen Schmerzen schob er den Trümmerhaufen, unter dem er lag, beiseite und rief in den zerstörten Kommandostand: "Synthia? Verk?"
Synthia saß in einer Ecke und winkte Candric zu. Sie war verletzt, offenbar am Fuß. Aber es ging ihr gut. Verk jedoch meldete sich nicht. Sein erster Wille war es, ihn zu suchen, doch Candrics Gedanken und das laute Krachen draußen rieten ihm, sich Synthia zu schnappen, in den Hangar zu rennen und mit einem der kleinen Eskortschiffe zu flüchten. Er schleppte sich unter Schmerzen zu ihr herüber, stütze sie mit einem Arm, und humpelte mit ihr über die Trümmer.
Im Korridor brach Synthia oft unter den Schmerzen ihres Fußes zusammen. Immer wieder musste er ihr hochhelfen, und sie schlurften durch den Gang in Richtung des Hangars, der gleichzeitig auch Frachtraum war. An der Tür angekommen versuchte Candric mit einem Knopfdruck die Tür zu öffnen, doch natürlich erfolglos. Um ihn herum spien Funken, und er stemmte seinen Arm in die kleine Lücke der Tür. Mit einem starken, aber auch schmerzvollen Ruck hatte er die Tür geöffnet bekommen. Synthia stützte er nichtmehr, er nahm sie hoch, und trug sie um den Hals, wie er es bei Soldaten schon einmal beobachtet hatte. Er setzte sie auf den Kopiloten-Sitz des ersten Schiffs, dass er fand. Er stieg gleich mit ein, und wollte gerade die Glaskanzel schließen – als ihm ein wichtiger Gedanke kam. Offenbar wurden sie nur wegen ihrer Fracht angegriffen. Die Fracht war wohl wichtig. Er schnalzte leise mit der Zunge, und schwang sich aus dem Cockpit.
"Was hast du vor?", murmelte Synthia völlig erschöpft. Das hörte Candric gar nicht mehr, er war bereits hinter das kleine Schiff getreten, und hatte ein starkes Trageseil an ihm befestigt. An der anderen Seite war ein riesiger Magnet, den er einfach an den ominösen Frachtcontainer haftete, wegen dem sie angegriffen wurden. Er lief wieder zu dem Raumjäger, stieg in die Steuerkanzel und ließ das kleine Begleitschiff aufsteigen. Mit dem Container im Schlepptau verließen sie schließlich den Hangar, und flogen durch ein riesiges Trümmerfeld. Die Kampfgeräusche waren abgeebbt. Als Candric sich unbewusst umdrehte, traute er seinen Augen kaum – die Marina war in zwei Teile gesplittert. Am Horizont entfernte sich ein Space Division Schiff, und einige Klicks von ihnen loderte das Wrack eines zerstörten Angriffsschiffes, dessen Typ er nicht kannte. Mit einem entsetzten Gesichtsausdruck navigierte er durch das Trümmerfeld, und gab dem Schiff vollen Schub. Mit dem Container im Schlepptau flogen sie in Richtung Station 2-2 – in Richtung Jupiter. Wo der General ihn treffen wollte. Es war ein Flug von circa vier Stunden – er hoffte, dass Synthia durchhielt. Er stellte den Autopiloten an, und lehnte sich zurück. Binnen weniger Minuten war Candric eingeschlafen.